Frau mit Bart liegt auf der Wiese

Vom anderen Ufer – Von Schubladen und Verwirrtheiten

Allgemein Bewusstsein

Lesbe, Schwul, Hetero, Bi, Queer und verwirrt …

Was bin eigentlich? Was ist meine Aufgabe? Wofür wurde ich geboren? Fragen, die sich viele Menschen täglich stellen. Ich möchte heute über ein Thema schreiben, welches mir persönlich am Herzen liegt. Es geht um die Frage „Was bin ich“? Hoch spirituell gesehen, bin ich Bewusstsein. Das ist mir klar. Ich spreche von dem Sein auf Erden, welches mich die letzten Jahre verwirrte.

Bereits als Teenager wusste ich nicht so recht, wo ich mich einordnen sollte. Damals trug ich Schlapperlock und fühlte mich wohl. In meinen frühen 20igern, begann ich mich zu schminken und wurde weiblicher. 2009 verliebte ich mich das erste Mal in eine Frau. Seit dem Tag an, war nichts mehr wie zuvor. Ich stellte mein ganzes Leben infrage. Was bin eigentlich? Da ich vorher schon in Männer „verliebt“ war – (nur verliebt, sexuell anziehend fand ich sie nicht), schob ich mich in die Schublade bisexuell ein. Diese Orientierung stellt heute zu Tage nichts besonders da. So etwas gibt es und ist ganz normal.

Die Erotik der Frauenwelt entdecken

Als meine Frauenliebe aus meinem Leben verschwand, fing ich an, mich selbst zu erforschen. Wie viele andere, tauchte ich in die Lesbenszene ein. Ich lernte viele neue Menschen kennen und hatte eine Menge Spaß zu Anfang. Nicht falsch verstehen. Um Bettgeschichten ging es mir hier nicht. Ich bin die Letzte, die zum Spaß mit anderen in die Kiste springt, wenn es nicht kribbelt. Was mir auffiel, Frauen reizten mich vom Aussehen ziemlich stark. Vor allem androgyne Geschöpfe. Als ich mit einer intensiv tanzte, was beinahe einem Verschmelzungsakt auf der Tanzfläche gleichte, fand ich den Moment um Welten besser, als die intimen Erfahrungen mit meinem Ex-Freund.

Nach und nach wurde mir klar – ich bin scheinbar eine Lesbe und wusste es 30 Jahre nicht. Leider, wie es so manchen in der Szene ging, verwandelte ich mich in einen halben Mann. Meine komplette Weiblichkeit war dahin. Ich schminkte mich nicht mehr, trug extreme Kleidung, rannte ständig mit einer Kappe herum und lehnte diesen einen Teil stark von mir ab.

gay Parade, Regenbogen

Szenelesbe wird zum halben Mann

Seinerzeit hatte ich eine lesbische Best-Friend. Wir machten die Stangen der Diskotheken unsicher und gingen Tag ein, Tag aus auf Partys. Ende 29 war ich mehr fort als in meiner Jugend. Leider tat mir die Zeit nicht gut. Meine eigene Persönlichkeit schwand irgendwie dahin. Ich wohnte bei dieser Frau, in die ich zugegeben, ein wenig verschossen war. Leider sie nicht in mich, dennoch lebte ich fast 1,5 Jahre bei ihr. Wir guckten abends Filme, gingen Einkaufen, waren auf Partys. Wir führten eine seltsame platonische Beziehung. Wir schliefen sogar im gleichen Bett, aber es ist nie etwas gelaufen. Fast täglich köpften wir eine Flasche Wein zum Fernsehe gucken, ab an gab es etwas zu Rauchen. Fatal, in welche Kreise ich da geriet. Nach und nach kotze mich diese Szene komplett an. Mein Selbstbewusstsein war dahin. Eines Tages wachte ich auf und dachte, ich muss da raus …

Flowerpower Zeit und Boy Georg

Es war gut so, 2011 wendete ich mich von der Szene und meiner Best Friend ab. Ein seltsames Jahr, wie ich finde. Irgendwie begann ich Transsexuelle und Transvestiten zu verehren. Boy Georg war mir hier ein guter Lehrer. Ich fand Männer, die ihre weiblichen Züge auslebten total interessant. Ich selbst wurde wieder weiblicher, bzw. wurden meine Outfits individueller. Die Hippie-Phase begann. In Aladdin-Hosen und engen Shirts fühlte ich mich wohl. Meine Haare wurden wieder rot, und Bänder verschönerten mein 3. Auge. 2012 traf ich einen Mann wieder, den ich von der Schule kannte und dieser zog mich in seinen Bann. Zwischen uns herrscht eine Verbindung, die man als magisch bezeichnen kann. So viele Gemeinsamkeiten, wir verstanden uns auf Anhieb, als würden wir uns ewig kennen. Irgendwie zog er mich von Anfang an sexuell an. Und jetzt kommen wir zu dem Punkt. Es gab keinen Mann zuvor, der so etwas in mir auslöste. Das erste Mal konnte ich mir vorstellen, wie sich manche Frauen bei Brad Pitt und Co fühlten. Ich kannte das Gefühl nur bei meiner großen Liebe und später bei Cate Blanchett hahah.

Voll confus – Lesbe, Bi, Hetero, wtf?

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie mich diese Tatsache verwirrte. Was bin ich jetzt? Eine Lesbe, bisexuell, Hetero? Gut Hetero bin ich garantiert nicht. Als bisexuell konnte ich mich auch nie bezeichnen. Ich fühlte mich trotzdem lesbisch. Obwohl sich ein Mann in mein Leben schmuggelte. Nur zur Informationen, wir hatten keine Beziehung in den letzten Jahren. Teilweise war der Kontakt gut, an anderen Tagen war er mehr schlecht als recht.

Es geschahen viele Dinge, die mich zur Verzweiflung brachten. Ich versuchte, von ihm loszulassen. Es gelang mir eine Zeit. Das Schicksal sorgte aber fortwährend für überraschende Umstände. Abgesehen davon, dass ich nicht wusste, welche sexuelle Orientierung ich habe, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich bin. Bin ich ein Mann oder eine Frau? Natürlich bin ich eine Frau – darum geht es hier aber nicht. Mal trage ich gerne Röcke, an anderen Tagen trage ich Anzug. Mal bin ich weiblich, mal androgyn. Eigentlich egal, mein Kleiderschrank hat ja genügend Platz für unterschiedliche Garderobe.

Ich stellte mir nur selbst die Frage, ob ich damit nicht andere Leute verwirre. Auch, wenn man sich nicht für andere verändern soll, man tut es unbewusst ja doch irgendwie. Irgendwie wollte ich das Interesse für diesen einen Mann wecken und versuchte natürlich, total unnatürlich meine Weiblichkeit raus hängen zu lassen. Irgendwann gab ich es auf, weil es keinen Sinn machte. Was logisch ist, man sollte sich niemals verändern und das ist auch gut so. Wieder hat mein Bewusstsein etwas gelernt.

Girlfag, Genderfluid und andere Schubladen

Ich lies wieder los und lebte mein Leben. Wieder fühlte ich mich in der androgynen Rolle am wohlsten. Plötzlich kämpfte ich mit weiteren Gedanken. Irgendwie würde ich gerne ein schwuler Mann sein. Mag jetzt alles total Gaga klingen. Frauen bekommen ja sowieso Männer, wenn sie einen möchten. Aber nein, ich wollte ein schwuler Mann sein, der einen Mann begehrt. Jetzt fühlte ich mich nicht mehr Lesbisch, sondern schwul.

Ab dem Zeitpunkt war ich reif für die Klapse. Tatsächlich stolperte ich über die Begrifflichkeiten. Girlfag – es handelt sich um Frauen, die schwule Männer begehren. Diese Frauen sind entweder lesbisch, hetero oder bisexuell. Sie können sich einem Geschlecht oder mehreren hingezogen fühlen. Diese Einstufung passt zu mir. Schwule oder androgyne Männer fand ich ja irgendwie anziehend, Frauen ebenso. Nur warum fühle ich mich manchmal als Mann und manchmal als Frau? Wer sich im falschen Körper fühlt, ist transsexuell. Personen, denen es wie mir geht, nennt man Genderfluid. Ich wechsle quasi immer wieder innerlich mein Geschlecht. Aus dem Grund fühle ich mich manchmal lesbisch, schwul oder hetero.

Frosch steckt in Schublade

Schubladen sind nicht notwendig

Eines wurde mir klar, ich kann und muss mich annehmen, wie ich bin. Ich muss mich nicht für ein Geschlecht entscheiden. Ich brauch auch nicht zwangsweise eine Schublade. Girlfag, Genderfluid und Co hilft mir ein wenig, mich zu orientieren. Aber in Wirklichkeit geht es darum, zu sein, was man in dem Moment ist. Unsere Seele an sich, nimmt in jedem Leben an einem Rollenspiel teil. Ich muss mich nicht für ein Outfit entscheiden. Mir steht es frei, wie eine Frau zu fühlen oder wie ein Mann. Nur ein Punkt machte mir Sorgen bei meinem Lebensstil. Werde ich je einen zweiten Teil finden, der mit mir diese Verrücktheiten teilt und mich versteht?

Wenn sich andere outen …

Im November 2017 wurde der Kontakt zu diesem einem Menschen wieder enger und intensiver. Wir telefonierten viel und chatteten miteinander. Irgendwie kamen wir auf das Thema Filme. Er zeigte mir einen Film, und meinte: „Da kommen Lesben vor, interessiert dich sicher“. Da er mich zu dieser Zeit irgendwie mehr interessierte als Lesben, meinte ich, die interessieren mich gerade nicht. Er war verwundert, und dachte 5 Jahre lang ich sei eine Lesbe. Darauf hin meinte er, er steht auch auf Lesben. Er mag Lesben. Damit sind nicht die Hetero-Blondinen gemeint, die sich gemeinsam auf dem Bett rekeln. Er mag es, wenn Frauen diesen „lesbischen Stil“ haben, gerne mal kurze Haare, Kleidung und Co. Ich erklärte ihm in wenigen Worten, was ich euch in diesem Artikel schrieb und er grinste…. 😉

 

 

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